30.Januar 2010 ab 21:00Uhr Cherima Nasa & Robert H. Schumann



Wir freuen uns sehr euch auf großer Leinwand in der Badstrasse8 zwei 30minütige Dokumentationen zu präsentieren, die wir im Jahr 2009 zusammen realisiert haben. Dieser Jahresrückblick soll euch einen Einblick in unsere Arbeit verschaffen und uns eine Möglichkeit geben mit unserem Publikum zu diskutieren.

Gleich zweimal wagten wir uns in Welten, die wir bisher eher von Außen kannten. Während Telecafe International das Geschehen in einigen Nürnberger Internetcafes beobachtet und dort Geschichten von Nähe und damit eben auch von der Abwesenheit dieser Nähe findet,

 

Telecafe International (D2009, 30min)

Ein Film von Cherima Nasa und Robert H. Schumann

 

Tele- und Internetcafés sind zwar austauschbare Orte mit immer gleichen billigen Computerarbeitsplätzen und immer gleichen hellhörigen Telefonkabinen, doch öffnet sich von hier aus, über die Menschen, die man hier trifft, ein sehr privater Blick in die ganze Welt: nach Osteuropa, Südamerika und Afrika, sowie auch zu den Kriegsschauplätzen im Irak, Sri Lanka und Afghanistan.

Der Film taucht ein in diesen privaten Raum der Kommunikation seiner Protagonisten mit ihren Familien und so ergibt sich daraus ein kaleidoskopartiges Bild sowohl der Zustände in diesen Regionen, als auch des Alltags von Menschen mit Migrationshintergrund und ihrer Lebensrealität in unserem Land ˆ mit den Folgen unserer Integrationspolitik und allen Konsequenzen unseres Asylrechts.

Guiseppe, als Kind der zweiten Gastarbeitergeneration mit italienischen Wurzeln trifft sich hier mit seinen Kumpels, schlägt hier die Zeit tot, nachdem sie ihn von der Schule geworfen haben, bastelt an seiner MySpace-Seite und träumt auf diesem Weg von seinem Durchbruch als Rapper, um seiner Perspektivlosigkeit zu entgehen.

Adil, der als gebrochener Mann den Irak verlassen musste, betreibt heute ein Internetcafé und muss neben der Trennung auch die Sorge um seine Angehörigen verkraften, die im Irak geblieben sind und dort unter permanenten Gefahren leben, während die Jugendlichen in seinem Café virtuellen Terroristen in einem virtuellem Bagdad hinterherjagen.

Regina hat aus politischen Gründen Uganda verlassen und lebt seit acht Jahren getrennt von ihren mittlerweile in England lebenden Kindern. Wegen des laufenden Asylverfahrens sind Besuche nicht möglich. Sie würde nur eine Stunde brauchen, um zu ihren Kindern zu fliegen, überlegt sie. «Es ist so nah und doch so weit.» Ihr droht, nachdem alle juristischen Mittel ausgereizt sind, die Abschiebung nach Uganda.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wenn Familie und Freunde weit sind, erzählt Ensemble von einer zwar erzwungenen doch keineswegs immer tristen Gemeinschaft in einem kleinen Altersheim.

Die beiden Filme werfen so ihren Blicke auf zwei Welten, die uns zwar nah sind, die jedoch nicht im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehen.

 

 

 

 

 

Ensemble (D2009, 30min)

Ein Film von Cherima Nasa und Robert H. Schumann

 

„Die Freiheit ist wie die Luft, die wir atmen. Man wird sich ihrer Existenz erst bewusst, wenn man einen Strick um den Hals trägt.“ Erst wenn das Alter spürbar wird, wenn sich der Körper, dieser treue Gefährte, der einen lange begleitet ohne zu klagen und zu erschrecken, sich bemerkbar macht und in seiner Gebrechlichkeit die Oberhand gewinnt, dann werden wir uns unserer Verletzlichkeit bewusst. Aber das Leben ist voller selbst entworfener Konstruktionen und unerwartet eintretender Konstruktionsfehler, zudem in einer Gesellschaft, die nicht altern will.

Im kleinen Pflegeheim Rosenau, das unter privater Trägerschaft steht, ist der Zahn der Zeit spürbar. Die Mobilität nimmt ab, mit ihr der Aktionsradius und es bleiben wenige Aufgaben, die einen beschäftigen, ausfüllen und darüber hinaus wertvoll erscheinen lassen. Aber die Gemeinschaft verbindet, sie sitzen alle im selben Boot. Wir haben ihren Alltag porträtiert.